Patienteninformation
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S.MS ist ein Programm zur Patientenschulung, um sie gerade bei Erkrankungsbeginn zu begleiten und sie über die Krankheit Multiple Sklerose aufzuklären.
In Gesprächen mit unseren Patienten zeigt sich immer wieder, dass gravierende Informationsdefizite oder Fehlinformationen über Ursache und Verlauf der Multiplen Sklerose vorliegen. Andere haben ein großes theoretisches Wissen erworben, können dieses aber auf die eigene Erkrankungssituation nur begrenzt übertragen und haben sich bisher nicht emotional mit ihrer Krankheit auseinandergesetzt.
S.MS will sie zu Experten machen im Umgang mit ihrer Krankheit und ihnen in der ersten Zeit nach Erkrankungsbeginn ein großes Maß an Sicherheit und Unterstützung vermitteln. Gerade in dieser kritischen Zeit mit Verunsicherung, Veränderung und anstehenden Therapien mit teils erheblichen Nebenwirkungen ist dies wichtig, um ihnen eine eigenständige Mitentscheidung an der Therapie zu ermöglichen. Besonderes Augenmerk des Schulungsprogramms wird daher auf die Aufklärung über die Erkrankung gelegt, aber auch auf die Entwicklung praktischer Fähigkeiten und die emotionale Auseinandersetzung mit der Erkrankung.
S.MS besteht aus acht Themenmodulen. Mit diesen Modulen werden ihnen bestimmte Inhalte und Zielsetzungen vermittelt, denen gemeinsam ist, die Krankheit besser zu verstehen und ein selbstbestimmteres Leben mit Multiple Sklerose führen zu können
Module:
I Einleitung
II Leben mit MS
III Epidemiologie
IV Basiswissen
V Diagnostik
VI Therapie
VII Prognose
VIII Psychosoziale Aspekte
S.MS wird für neu erkrankte Patienten mit der Diagnose einer Multiplen Sklerose angeboten und findet mehrmal im Jahr einmal wöchentlich an vier Abenden statt.
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Selbsthilfegruppen
Therapieformen
Lebensqualität von MS Betroffenen steigt – Kosten sinken
Im Herbst 2005 wurde vom Health Economics Institute Stockholm (G. Kobelt) in Europa eine Untersuchung zur Lebensqualität von Betroffenen mit Multipler Sklerose (MS) und zu Auswirkungen der Erkrankung in sozioökonomischer Hinsicht durchgeführt. In der Bundesrepublik Deutschland wurden verschiedene auf die Versorgung von Multiple Sklerose ausgerichtete MS-Zentren in einer sog. Bottom up Analyse untersucht. Das SIDA PLUS System in Hannover war an dieser Untersuchung mit der Verwendung von 367 Fragebögen und ausgewerteten 167 Antwortbögen beteiligt. Ergebnisse dieser Untersuchung waren u.a., dass
- der frühe Einsatz von Medikamenten ein Eintreten der Spätstadien mit großen gesundheitlichen Schäden und mit sehr hohen Kosten vermeiden kann.
Wie sich heraus stellte, zeichnet sich das System SIDA PLUS durch eine spezifische Kosteneffektivität aus. Es gelang, trotz hoher Patientenzahlen eine Absenkung vor allem im Arzneimittelbereich im Vergleich mit anderen MS-Zentren zu erreichen.
- Die Untersuchungen des Instituts für Erwachsenenbildung aus dem Jahre 2003 belegen darüber hinaus, dass diese hohe Kosteneffektivität mit hoher Beliebtheit bei den Patienten verbunden ist.
Individuelle Zuwendung und hohe Qualität
Zudem ist in diesem System der Beweis erbracht worden, dass die Parameter Kosteneffektivität, hoher Qualitätsstandard, Patiententreue, sowie höchst mögliche individuelle Zuwendung Parallelen und keine Gegensätze sein können. Dieser nationale und supranationale Vergleich hat erwiesen, dass Versorgungssysteme wie das SIDA PLUS System in der volkswirtschaftlichen Diskussion mit Blick auf die finanziellen Ressourcen im Gesundheitssystem Deutschland eine tragende Rolle spielen werden. Die Vergleichszahlen zur sozioökonomischen und volkswirtschaftlichen Perspektive des Systems überraschten alle Beteiligten.
- MS Patienten im SIDA PLUS System einen Kosteneinspareffekt von 4.000 Euro pro Jahr bei erhaltener Qualität erbringen.
- Bei 438 aktuell im SIDA-System befindlichen MS-Patienten ergibt das eine
Einsparsumme von 1,75 Millionen Euro im Jahr.
Weitere Ergebnisse der Studie werden auf dem DGN-Kongress im September veröffentlicht.
Medizinische Ethik kollidiert mit der Sozioökonomie
Von großer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Auswirkung von sozioökonomischer Forschung auf das Arzt-Patientenverhältnis: Aus der Sicht des kontinuierlich behandelnden Arztes muss bei sozioökonomischer Betrachtung vor allem der Grundsatz der medizinischen Ethik und in diesem Bereich das Vertrauen des Patienten in seinen Arzt beachtet werden. Studien, die dazu führen, dass es zur Rationierung von Medikamenten kommt, sind abzulehnen, auch wenn hinter pharmaökonomischen oder anderen Studien (Hilfsmittelversorgung) die noch so verständlichen Versuche von Kostenträgern und deren Gutachtern stehen, so genannte „Auswüchse des Sozialstaates“ zu korrigieren.
Volkswirtschaft setzt Maximalversorgung Grenzen
Bei der in Deutschland geforderten Umstrukturierung des Gesundheitssystems ist vor allem bei hochspezifischer, fachärztlicher Versorgung von Erkrankungen, die oft sehr teure Medikamente und Geräteeinsatz in Diagnostik und Therapie erfordern, der systeminhärente Konflikt zwischen möglichem medizin. Maximaleinsatz und volkswirtschaftlichem Nutzen zu diskutieren. Der volkswirtschaftliche Nutzen wird vor allem dann in den Vordergrund der Diskussion treten, wenn es darum geht bei jungen Menschen extrem teure Therapien anzuwenden, um entweder deren Tod oder das Siechtum bei chronischen Krankheiten zu verhindern. Die ausschließliche Ökonomisierung, d. h. die Ausrichtung der Handlungsweise nach finanziellem Benefit, führt zu einer drastischen Absenkung der Lebensqualität von kranken Menschen und ist aus medizinisch-ethischen Gründen abzulehnen. So sind die Interessen der Kostenträger, wenn sie rein ökonomisch gesehen werden, ein Gegensatz zu rein ärztlich unterlegtem medizinisch ethischem Verhalten.
Die Lösung liegt in veränderten Versorgungsstrukturen
Im System SIDA PLUS wurde unter verantwortungsbewusstem Handeln beider Seiten eine Synthese und eine Lösung dieses Konfliktes angestrebt. Die jetzt vorgelegten Daten der nationalen und supranationalen Untersuchungen des Health Economics Institut in Stockholm beweisen, dass es möglich ist, Kostengesichtspunkte und medizinisch ethisches Handeln zu einem Vektor zu vereinen.
Hier liegt der eigentliche Benefit dieser Studie: Sie belegt erstmals, in welchem Ausmaß veränderte Versorgungsstrukturen eine Verbesserung der Versorgung auslösen können.