Unser Konzept

Die Arbeit von SIDA e.V. ist nicht auf das Erwirtschaften von Gewinnen ausgerichtet.

Bei einer adäquaten Pflege von Menschen mit chronischen Erkrankungen ist im Rahmen einer am Bedarf und den Bedürfnissen ausgerichteten Versorgung und aufgrund der Abrechnungsmöglichkeiten kaum ein Gewinn zu erwirtschaften. Erzielte Überschüsse werden nur in Form betriebsnotwendiger Rücklagen oder im Sinne eines gemeinnützigen Satzungszwecks verwendet.
Der Verein SIDA e.V. arbeitet stetig daran, notwendigen Rahmenbedingungen sowohl zur Umsetzung des Leistungsspektrums als auch zur Sicherstellung der Qualität der Pflege und der Pflegekräfte zu schaffen.
Ziel ist es, durch die häusliche Pflege Krankenhausaufenthalte von Betroffenen zu vermeiden oder zu verkürzen. Es gilt „ambulant vor stationär“, was auch insbesondere für die Angebote der Palliativpflege und Sterbebegleitung gilt.
Im Rahmen des Qualitätsentwicklungsprozesses verfolgt SIDA e.V. fortlaufend das Ziel, die größtmögliche Qualität der Arbeit durch in- und externe Fortbildungen zu sichern.

Jeder Mensch mit einer chronischen Erkrankung wird unabhängig von Glauben, nationaler und sozialer Herkunft, Geschlecht, sexueller  Orientierung oder Lebensstil in die Pflege und Versorgung aufgenommen. Ziel der Pflege ist es, Erkrankte darin zu unterstützen, ihr Leben und Sterben trotz krankheitsbedingter Einschränkungen selbst bestimmend und weitestgehend autonom zu gestalten. Hierbei steht die Wiedererlangung, Erhaltung und Verbesserung von Lebensqualität und Wohlbefinden im Vordergrund.

Zur Wahrung der größtmöglichen Patientenorientierung wird die Pflege grundsätzlich an den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen ausgerichtet.
Auf Wunsch der Erkrankten können auch Angehörige oder Freunde in den Betreuungs- und Pflegeprozess einbezogen, beraten, angeleitet oder unterstützt werden.
Durch die Nutzung und Abstimmung aller vorhandenen Ressourcen kann ein Maximum an Bedürfnisorientierung und Effektivität erzielt werden.


Leistungsangebot

Patientenorientiertes Arbeiten steht im Mittelpunkt der Arbeit von SIDA e.V. Vor dem Hintergrund der ständigen Veränderungen im Krankheitsbild chronischer Erkrankungen – insbesondere im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung von Therapiemöglichkeiten und -formen – setzt dies eine hohe Bereitschaft zur Flexibilität voraus. Entsprechende Veränderungen werden als Herausforderung an die Pflege begriffen und in das Leistungsspektrum von SIDA e.V. integriert. Da in diesem Zusammenhang unter anderem oftmals rechtliches Neuland betreten wird, geht die Umsetzung auch immer mit der Einwirkung auf Rahmenbedingungen einher. So werden innovative Impulse im Bereich der ambulanten Versorgung gesetzt, die, neben den regulären Leistungen der häuslichen Krankenpflege wie

  • Grund- und Behandlungspflege
  • hauswirtschaftliche Versorgung
zu folgenden weiterführenden Angeboten geführt haben:
  • Durchführung krankheitsspezifischer Prophylaxen und Therapien
  • häusliche Infusionstherapien
  • Portbetreuung
  • parenterale Ernährung
  • Schmerztherapie
  • Sauerstoffinsufflation
  • Substitutionsbegleitung
  • Palliativpflege
  • Sterbebegleitung
  • 24-Stunden-Krankenpflege-Rufbereitschaft
  • Organisation von Pflegehilfsmitteln
  • Pflegesachleistungen im Rahmen der Pflegeversicherung
  • Pflegebegutachtungen
  • Pflegeberatung für pflegende Angehörige.
Die krankenpflegerische Versorgung von chronisch Kranken erfordert auch eine umfangreiche soziale Beratung bezüglich Rente, Pflegeversicherung, Sozialhilfe, Schwerbehinderung, Wohnung und Arbeit etc. Psychosoziale Begleitung findet in Form von Unterstützung bei der emotionalen Auseinandersetzung mit der Krankheit und deren psychischen und sozialen Folgen sowie Hilfestellung bei der Bewältigung von Krisen-situationen statt. Die Angebote richten sich ebenso an PartnerInnen, Angehörige und Freunde.SIDA e.V. ist Einsatzstelle für KrankenpflegeschülerInnen und PraktikantInnen und bietet Informationsveranstaltungen und Fortbildungen für Interessierte, Gruppen und Institutionen.


Pflegedefinition

SIDA e.V. gestaltet die Pflege auf der Grundlage des Pflegeprozesses, der als Zusammenwirken von Beziehungsprozess und Problemlösungsprozess verstanden wird. Im Rahmen des Beziehungsprozesses baut die Pflegekraft eine vertrauensvolle Beziehung zum Pflegebedürftigen auf. Auf dieser Grundlage wird im Rahmen des Problemlösungsprozesses den Bedürfnissen und dem Bedarf von Menschen mit chronischen Erkrankungen auf menschlicher und professioneller Ebene gleichermaßen Rechnung getragen. Oberstes Ziel ist, die Lebensqualität von Menschen mit chronischen Erkrankungen zu verbessern, bzw. zu erhalten und sie bei der Verwirklichung ihrer Lebensziele zu unterstützen.


Gestaltung des Pflegeprozesses

Der Beziehungsprozess in der Pflege

Der Beziehungsprozess beinhaltet Aspekte des zwischenmenschlichen Umgangs zwischen Pflegekraft und Patienten. Die zentralen Elemente zur Gestaltung des Beziehungsprozesses in der Pflege sind
  • Beziehungsaspekt   
  • Patientenorientierung in der Pflege        
  • Pflege als Aushandlungssache zwischen Pflegekraft und Patient.

•>    Beziehungsaspekt

Die Erarbeitung einer vertrauensvollen Beziehung bildet die wesentliche Grundlage für die pflegerische Arbeit. Erst auf der Beziehungsbasis kommt es zu einer wirklichen Verständigung und Kommunikation zwischen Patient und Pflegekraft. Travelbee definiert Pflege als einen “intersubjektiven Beziehungsprozess, in dem der professionell Pflegende einem Einzelnen, einer Familie oder einer Gemeinschaft hilft, Krankheit und Leid vorzubeugen, dies zu bewältigen oder wenn nötig, Sinn in der Erfahrung von Krankheit und Leid zu finden" (übersetzt nach Fawcett, 1996, S. 198f).

•>    Patientenorientierung

Patientenorientierung bedeutet für SIDA e.V., den Menschen in seiner komplexen sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und historischen Situation in den Mittelpunkt des Pflegegeschehens zu stellen und nicht seine Krankheit.

Erst durch die Kenntnis der Lebenswelt, der Lebensrealität und der Lebensziele kann Pflege sich an den Bedürfnissen von Patienten orientieren. In der Annahme der Lebenswelt des Patienten, in der Einbeziehung seiner Ressourcen und der seines sozialen Umfeldes liegt das Fundament für eine partnerschaftliche Pflege. Das Recht auf Selbst-bestimmung des Patienten wird darin zum Ausdruck gebracht und die Übernahme der Eigenverantwortung gestärkt.

“Patientenorientierung ist kein 'Luxus', sondern Maxime, deren Anwendung zu einer systematischen und reflektierten Pflegepraxis mit verbesserten Pflegeergebnissen führt" (Schaeffer & Moers 1995, S. 35).

•>    Aushandlungsprozess zwischen Pflegekraft und Pflegebedürftigen
Für die zumeist jungen Patienten im berufsfähigen Alter ist die Einbindung in Entscheidungsprozesse von großer Bedeutung und eng verknüpft mit dem Erhalt ihrer Autonomie. In diesem Aushandlungsprozess ist den Bedürfnissen des Patienten, d.h. “subjektiven Präferenzen eines Menschen bei der Gestaltung seines alltäglichen Lebens" der gleiche Stellenwert einzuräumen wie dem Bedarf, “eine an objektiven Kriterien orientierte Versorgungsnotwendigkeit" (M. Ewers, 1997). In der Pflegetheorie von King gehört dazu auch“... das Recht des Klienten, die angebotene Pflege zu akzeptieren oder abzulehnen" (übersetzt nach Fawcett, 1996, S. 140). Darüber hinaus sind in den Aushandlungsprozess alle Personen einzubeziehen, die im Alltag des Patienten eine Rolle spielen: Angehörige, Freunde, Ärzte, Therapeuten usw. Die zum Teil unterschiedlichen und gegensätzlichen Interessen der Einzelnen müssen in Einklang gebracht werden und realistische Versorgungsziele und -strategien sind zu benennen (M. Ewers, 1997).


Der Problemlösungsprozess in der Pflege

Der Problemlösungsprozess enthält die Elemente
  • Informationssammlung
  • Festlegung von Problemen und Ressourcen
  • Festlegung der Pflegeziele
  • Planung der Pflegemaßnahmen
  • Durchführung der Maßnahmen
  • Evaluation
Der Problemlösungsprozess ist als Regelkreis zu verstehen. Nach abgeschlossener Evaluation müssen die einzelnen Schritte eventuell wieder neu bearbeitet werden, da in der Pflegesituation Veränderungen eingetreten sein können. Die Gestaltung des Beziehungsprozesses bildet dabei die Grundlage für die Vorgehensweise im Problemlösungsprozess und erfordert eine Planung der einzelnen Schritte gemeinsam mit dem Patienten.

Zur Erhebung des Pflegebedarfs und zur Durchführung der Pflege sind Elemente des "Selbstpflegemodells" von Dorothea Orem als theoretischer Bezugsrahmen gewählt worden.

•>    Methoden im regulativen Pflegesystem nach Orem
"Das Ziel der Pflege besteht nach Orem darin, Menschen dabei zu helfen, ihren eigenen Selbstpflegebedarf sowie den Pflegebedarf der von ihnen abhängigen Personen zu erfüllen" (Fawcett, 1996, S. 303). Nach Orem wird Pflege innerhalb von drei Pflegesystemen vollzogen. Pflegesysteme sind Konstrukte, die sich aus der Interaktion zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen ergeben.

In der Einteilung Orems gibt es das
  • partiell kompensatorische Pflegesystem, in dem der Pflegebedürftige als auch die Pflegeperson handelt;
  • das vollständig kompensatorische Pflegesystem, in dem die Pflegeperson für den Pflegebedürftigen handelt, der nicht mehr selbst Pflege ausüben kann;
  • das unterstützende Pflegesystem, in dem Pflegebedürftige selbst handelt, aber der Anleitung, Unterstützung oder Unterrichtung durch die Pflegeperson bedarf.
In den verschiedenen Pflegesystemen stehen der Pflegekraft fünf helfende Methoden zur Verfügung:
  1. Handeln für den Anderen
  2. Anleitung des Anderen
  3. Physische und psychische Unterstützung des Anderen
  4. Bereitstellung und Aufrechterhaltung einer entwicklungsfördernden Umwelt
  5. Unterrichtung des Anderen
(übersetzt nach Fawcett, 1996, S. 307)

In der Pflegepraxis von SIDA e.V. wird die Systematik von Orem nicht methodisch kontrolliert angewandt. In der Einbeziehung von Ressourcen des Patienten und seines sozialen Umfeldes findet sie aber inhaltliche Berücksichtigung. Die Auswahl der helfenden Methoden ist abhängig vom Befinden und der Mitwirkung des Patienten. In der Pflegepraxis werden die meisten Methoden parallel zur Anwendung kommen. Besonders die „unterstützenden" Methoden werden auch bei der Interaktion mit dem sozialen Umfeld des Patienten verwendet. So ist die Anleitung und Beratung von Pflegepersonen (Mitglieder der Herkunfts- und Wahlfamilie, also An- und Zugehörige, Freunde und ehrenamtliche Helfer) fester Bestandteil der Arbeit von SIDA e.V.

Um Pflege an den Prinzipien des Pflegeprozesses ausrichten zu können, arbeitet SIDA e.V. in der Organisationsstruktur des Bezugspflegesystems. Zentraler Punkt ist die dauerhafte Verantwortlichkeit einer Bezugspflegekraft für den Patienten. Sie betreut ihn vom Zeitpunkt der Aufnahme im Pflegedienst bis zu seinem Ausscheiden und hält den Kontakt mit ihm aufrecht, wenn die ambulante Pflege durch stationäre Aufenthalte unterbrochen wird. Bei Abwesenheit der Bezugspflegeperson wird die Pflege durch einen beigeordneten Kollegen übernommen. Nur durch diese kontinuierliche Begleitung kann die Bezugspflegekraft im Beziehungsprozess eine vertrauensvolle Beziehung zum Patienten aufbauen und Ansprechpartner werden.  Die Bezugspflegekraft ist verantwortlich für die systematische Planung der Pflegeziele oder Maßnahmen, sowie die Kontrolle und Reflexion im Rahmen des Problemlösungsprozesses. Die Planung und Dokumentation der Pflege erfolgt anhand der einzelnen Schritte im Pflegeprozess durch die Erstellung eines Pflegeplans.

Eine weitere Aufgabe liegt in der Koordination der Versorgungsangebote und der Abstimmung dieser auf die Bedürfnisse des Patienten. Die komplexe Situation eines chronisch Erkrankten im Hinblick auf seinen medizinischen, pflegerischen, psychischen und sozialen Betreuungsbedarf erfordert einen klaren Ansprechpartner für ihn und für alle, die direkten Einfluss auf die Lebenssituation nehmen. Nach Kings Verständnis „haben Pflegekräfte im Gesundheitswesen eine Schlüsselposition inne. Sie arbeiten partnerschaftlich mit Ärzten, Sozialarbeitern und anderen Fachkräften zusammen, um die Gesundheit zu fördern, Krankheiten vorzubeugen und die Versorgung der Patientinnen und Patienten, auch in Absprache mit den Angehörigen, optimal zu koordinieren"

(übersetzt nach Fawcett, 1996, S. 134).